Leise Musik spielt. Ich sitze auf einem Hocker an der Seite und schaue – mehrere Schüler:innen sitzen auf dem Boden und legen mit bunten Glassteinen Muster. Ein Mädchen liest. In der Ecke unterhalten sich drei Jugendliche flüsternd. Einer ruht sich aus. Auf dem Sitzsack wird gemalt, die Malblätter durch Klemmbretter stabilisiert. Ich schaue … und freue mich. Wo gibt es das:15 bis 30 Schüler:innen aus den unterschiedlichsten Klassenstufen, die zusammen ruhig in einem Raum sind? Das gibt es montags und mittwochs in der zweiten Pause im sogenannten reroom über der Cafeteria – religious room to relax.
Der Raum in dieser Form existiert seit Anfang des Schuljahres. Die Idee war, einerseits einen Ruheraum für diejenigen zu schaffen, die dem Trubel der Pause entfliehen wollen, und andererseits einen religiös geprägten Raum. Es gibt Biologie-, Physik-, Werk-, Kunsträume und einiges mehr. Da sollte an einer christlichen Schule ein Religionsraum nicht fehlen. Blätter mit christlichen oder muslimischen Sätzen sollen zum Nachdenken anregen, Bücher zu teilweise religiösen Themen stehen an der Seite, eine Kerze in der Mitte des Raumes.
Den Raum mit Hockern, Decken und Sitzkissen gab es bereits vorher und er wurde zeitweise schon für religiöse Veranstaltungen, besondere Unterrichtssituationen oder eine AG genutzt. Nun ist einiges, teilweise aus den Schulbeständen, hinzugekommen, wie der CD-Spieler, manches wurde gekauft, vieles auf dem Flohmarkt, wie die Körbe und Schalen und der große Engel.
Natürlich klappt nicht alles wie geplant. Zu Begin hatte ich die Tür offen gelassen, um die Hemmschwelle des Hereinkommens so niedrig wie möglich zu halten. Doch leider gibt es immer wieder mal Schüler:innen, die den Aufgang als Aufenthaltsort missbrauchen und laut sind. Selten kommt es vor, dass ich jemanden aus dem Raum schicken muss, weil zu laut geredet oder herumgealbert wird. Die Ruhe zu erhalten ist mir sehr wichtig. Gerade darum geht es ja in diesem Raum.
Außerhalb der beiden Pausen kann der reroom bei Bedarf über I-Serv gebucht werden. Vor Weihnachten war ich selbst mit einigen Klassen hier. Es tut gut, mal in einer anderen Atmosphäre ins Gespräch zu kommen. Also: Herzlich Willkommen im reroom!
Text und Bilder: Martina Kruse










